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wir sind umgezogen, Ihr findet uns ab sofort auf www.taste-berlin.com im neuen Gewand!

Einmal volltanken, bitte: Das Wunder des Tank Biers

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134 Liter pro Kopf pro Jahr - soviel Bier trinkt der Tscheche durchschnittlich, und das katapultiert ihn auf den ersten Platz im internationalen Vergleich. Bei einem Trip nach Prag ist der Besuch einer “pivnice” ein durchaus bedeutsamer Programmpunkt. Wir lieben die Haus- und Mikrobrauereien, doch dieses Mal hatten wir nur eine bestimmte Bierart im Visier: Tankbier. 

"Pivo z tanku", das ist unpasteurisiertes Pils in seiner frischesten, unverfälschtesten Form. Von der Brauerei bis zum Ausschank am Tresen vergehen meist nur 24 Stunden, weil das Tankbier im gekühlten Tank mit dem LKW in die Kneipe geliefert wird. Dort lagert es im Tank bzw. in einem darin befindlichen Plastikschlauch, wo es mit hohem Lufdrucktdruck (der zwischen Stahltank und Beutel erzeugt wird) wieder in den Zapfhahn hochgepumpt wird - und zwar ohne Zugabe von Kohlensäure, wie sonst üblich beim Fassbier.

Die Vorzüge liegen auf der Hand bzw. in der Kehle: während normales Pilsner bei hohen Temperaturen pasteurisiert wird, um es für Transport und Lagerung haltbar zu machen und Bakterien abzutöten, verliert es dadurch auch einiges an Geschmack und frische. Das frische Tankbier wird konstant bei 8-10 Grad gehalten und hat einen runden, vollen, malzigen Geschmack. Einziger Nachteil der Herstellungsart: innerhalb von zwei Wochen muss das Tankbier verzehrt werden, sonst ist es nicht mehr trinkbar. Aus diesem Grund bekommen auch nur Kneipen die Tankbierlizenz, wenn sie einen bestimmten Grundumsatz an Bierverbrauch nachweisen können. 

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In Prag gibt es mittlerweile mehr und mehr dieser “Tankovnas”, groß beworben wird das allerdings meist nicht. Man muss schon etwas auf die Schilder am Eingang achten, um zu wissen, ob das Bier hier aus dem Tank kommt.

Wir haben nicht wenige Tanknovas auf Malz und Hopfen getestest und stellen Euch hier unsere Favoriten vor:

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Wir starten unsere Bierroute in der Prager Neustadt.

U Pinkasů ist eine der ersten Bierstuben, die in Prag Tankbier serviert hat. Unweit vom quirligen Wenzelsplatz liegt es der etwas ruhigeren náměstí. Weil wir unsere Tour antizyklisch aufgerollen, ist es am späten Nachmittag noch leer und daher etwas ungemütlich im Gastraum, dafür aber umso lauschiger im dazugehörigen Pub. Eine Trennung, die in Prag oft vollzogen wird: links Restaurant, rechts Kneipe, wo man vor Zigarettenqualm oft nicht weiter als zum Nebentisch sehen kann - und gegessen wird meist trotzdem. Wie schaffen die das, trotz EU Verordnung? Das Pinkasů wurde 1843 eröffnet und ist somit die erste Kneipe in Prag, in der Pilsner serviert wurde - Urquell, selbstredend, und ganz bestimmt nicht aus dem Tank.

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Etwas weiter in der selben Straße kehrn wir ins U Balbinů : ein Restaurant mit ebenfalls ehrwürdiger Tradition (wie fast alles hier - die Tschechen lieben den Zusatz “Original” vor allem, man sieht sogar “Original Pizza & Pasta”-Schilder), doch hier geht es etwas moderner zu. Aus dem Tank gibt es hier Pilsner Urquell hell oder dunkel und auf den Teller kommt beste böhmische Küche. Der Service ist extrem freundlich, was einem als Berliner schon fast wieder verdächtig vorkommt: man weiss nicht so genau, was im Kopf des Kellners vorgeht: “nicken, lächeln, Arschloch denken” oder doch ernsthafte Gastfreundschaft? Paranoia beiseite, es ist wunderbar im U Balbinů.

Wir verlassen Nové Město und führen unsere feucht-fröhliche Tour auf der anderen Seite des Flusses weiter. In Smichov ist seit 1896 Staropramen ansässig, die zweitälteste tschechische Brauerei. Das dazugehörige Restaurant Potrefená Husa ist ziemlich lifestyle-mäßig aufgezogen: Stylisches Interieur, Flatscreens auf denen der Brauereivorgang zu sehen ist, coole Mucke statt böhmischer Musikanten. Für den Puristen vielleicht ein Greuel, für uns ein Muss, schließlich wollen wir Staropramen aus dem Tank und Bierkäse. “Pivní sýr” ist so eine Art Obazda: verschiedene Weichkäsesorten, Butter, Gewürze und Zwiebeln, die direkt am Tisch von der Bedienung vor unseren hungrigen Augen vermanscht werden. Der Clou: zum Abschluss kommt noch ein Stamperl mit Staropramen Bierschaum darüber. Ich hasse den Ausdruck “Essen ist wie Sex”. Eigentlich. In diesem Fall ist das aber mehr als gerechtfertigt. Multipler kulinarischer Orgasmus!

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Einen weiteren Halt machen wir im U svatého Filipa a Jakuba, einer unspektakulären Gastwirtschaft in der die Karte tatsächlich nur auf tschechisch ist: hurra, maximale Local-Credibility. Das dunkle Velkopopovický Kozel fließt die Kehle wie Wasser herunter und kostet umgerechnet gerade Mal 90 Cent. Na Zdraví! 

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Einer geht noch! Also auf nach Zizkov, dem alternativen Szeneviertel Prags. In zwei Straßen gibt es tatsächlich eine relativ hohe Anzahl an Bars, in denen schöne junge Menschen in engen Jeans mit elaborierten Frisuren sitzen. Wer jemals in Friedrichshain, St. Pauli oder Beyoglu die Nacht zum Tage gemacht hat, geht mit solch Superlativen wie “die höchste Bardichte Europas”, die Zizkov oft zugeschrieben wird, allerdings eher vorsichtig um. 

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Bier macht hungrig, deshalb entscheiden wir uns gegen Kneipe und für Wirtschaft. Im Restaurace Kopyto locken uns die grün angeleuchteten Tanks schon von der Straße aus an. Die Farbe ist Programm: hier gibt’s Urquell. Das Ambiente lässt etwas zu wünschen übrig, irgendwas zwischen Systemgastronomie und besserer Kantine, das Essen entschädigt dafür: beste Hühnerbrust (in Honig glasiert) meines Lebens, bester Kartoffelstampf des Lebens meines Begleiters!

Das war’s für’s Erste… to be continued. 

PS: Zu unserer großen Freude haben wir gehört, dass in wenigen Tagen das erste Tankbier in Berlin ausgeschenkt werden soll. Im Neuköllner “Zum Böhmischen Dorf” in der Sanderstraße versucht SAB Miller, Pilsner Urquell aus dem Tank an den Berliner Mann und die Berliner Frau zu bringen. Wir sind gespannt!

Landpartie in Berlin-Mitte: Restaurant ALvis

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das ALvis, einen Katzensprung von der Friedrichstraße entfernt, kurz bevor die Sonne rauskam

von Sandra Wickert

Bereits im letzten Spätsommer wurden wir eingeladen, das Restaurant Alvis im Albrechtshof zu besuchen. Das Restaurant ALvis? Wie meinen? 

So in etwa war auch unsere Reaktion. Die Suchmaschinenrecherche nur wenige, aber durchaus gute Ergebnisse, zudem die Info, dass das Restaurant zum Hotel Albrechtshof gehört, das wiederum im “Verand christlicher Hoteliers” gelistet ist - wir waren neugierig. Für die (angekündigten) Stippvisite haben wir uns einen ruhigen Nachmittag ausgesucht, es war Sommer, wir waren in Berlin und hatten Lust auf “frische Berlin-Brandenburger Küche”

Freundlich, aber auch ein kleines bisschen steif wurden wir empfangen und haben uns gleich einen Platz im begrünten Innenhof ausgesucht. Gute Wahl, denn das Interieur des ALvis sprach uns nicht so sehr an: etwas altbacken, eher auf die Zielgruppe “rustikale Rentner” zugeschnitten. Top dagegen das Atrium: obwohl direkt um die Ecke der Friedrichstraße, ist es im Hof angenehm ruhig, fast schon andächtig. Das liegt natürlich zum Teil daran, dass außer unserem nur zwei weitere Tische belegt waren - wir vermuten, dass es ein, zwei Stunden davor, zum Business Lunch, geschäftiger zuging. 

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Wir geben’s zu: wir waren etwas unrelaxed, denn normalerweise gehen wir einfach essen und schreiben dann darüber. Hier hatte man uns ganz offensichtlich erwartet - die Azubis waren sehr bemüht, uns alles recht zu machen und standen Spalier. Wir kamen uns etwas beobachtet vor (ich bin von Grund auf paranoid. Wer will schon als Abgreifer gelten?).

Micha entschied sich bei seiner Vorspeise für ein Schaumsüppchen vom Brandenburger Flusskrebs, ich wählte den Wildkräutersalat mit Pilzen. Um es kurz zu machen: wir waren beide sehr, sehr zufrieden mit unserer Wahl. Perfekt gewürzt, Temperatur optimal, die Pilze auf den Punkt gebraten und das Salatdressing: einfach, aber genial. Volle Punkte für den ersten Gang!

Die Hauptspeise, Steak mit Pommes bzw. Pasta mit Kirschtomaten - gut! Die Portionen nicht übermäßig groß, sondern genau richtig. Und wieder: einfach, aber handwerklich einwandfrei. Anstelle der Tiefkühlpommes hätten wir uns allerdings noch ein bisschen mehr über Kartoffelspalten gefreut.

Die Herkunft des Weins blieb rätselhaft: auf der Karte war überhaupt nichts vermerkt und auf Nachfrage erhielten wir die Info “aus dem Rheingau” - für einen Weinfreund eine etwas unbefriedigende Aussage, denn gemundet hat er durchaus!

Wir haben uns dann kurz noch etwas umgesehen - im Keller ist tatsächlich ein Gebetsraum, bzw. die “Martin-Luther-King-Kapelle” - durchaus ungewöhnlich, da darf man keine Berührungsängste haben, um sich dort wohl zu fühlen.

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Fazit: das ALvis ist nicht hip oder cool und wird garantiert niemals einen Schönheitspreis gewinnen. Das Ambiente empfanden wir als etwas zu sakral, aber das mag jeder anders empfinden. Schön anzusehen war, dass Stammgäste an ihrem letzten Berlin-Urlaubstag von der Bedienung mit einer Umarmung verabschiedet wurden - man kehrt hier offensichtlich gerne zurück. Die Küche von Küchenchef Wolfgang Kanow ist zudem so viel besser, als die Fassade zunächst erahnen lässt. Würde ich in Mitte arbeiten, würde ich mindestens einmal pro Woche dort zum gechillten Business Lunch dort einkehren - regionale Speisen zum absolut realistischen Preis und eine Ruhe, die sowieso unbezahlbar ist, inmitten der umliegenden Tourischuppen.

PS: Den gesamten Dezember über gibt’s Freilandgans und Ente zur Einstimmung auf Weihnachten - und dazu wiederum passt dann auch irgendwie das christlich geprägte Flair.

Restaurant ALvis
Albrechtstraße 8
Berlin-Mitte
http://www.alvis-restaurant.de
|taste-promo| Nascht, schlemmt, schlürft: Kaffeeklatsch & Bite Club Foodie Christmas

imageDas Schöne am grauen Dezember ist ja: man hat die perfekte Ausrede, um sich die Nebelschwaden schön zu trinken und sich gegen die kühle Luft ein wohlig-warmes Bauchgefühl anzufuttern. Dazu gibt’s an diesem Wochenende gleich zweimal die Möglichkeit - und zwar fernab von fuseligem Glühwein, verkohlten Bratwürsten und feucht-fröhlichen Versicherungsangestellten beim weihnachtsfeiern.

Für alle Süßen unter Euch sei der Kaffeeklatsch in der Markthalle Neun (Samstag 10 - 18 Uhr) ans Herz gelegt. Bekanntermaßen die kleine Schwester vom allseits beliebten Naschmarkt sind am Kaffeeklatsch Süß- und Naschwarenproduzenten am Start, die ihre Leckereien zum sofortigen Verzehr anbieten, oder aber zum Verschenken und unter den Weihnachtsbaum legen. Special-Tip: Frau Zeller, die unlängst die “goldene Schnecke” gewonnen hat, macht Torten zum Niederknien - wir sind süchtig nach ihren Bärentatzen! Und wer dann genug vom Naschen hat, der kann sich bei den Markthallen Allstars glücklich essen: die veganen Burger von Sun Day Burgers sind die besten, die ihr in der Stadt bekommt, die Carnivoren können sich auf Big Stuff Smoked BBQ freuen, Tapas La Cazuela hat das spanische Eintopfgericht Cocido als Special und Eure Lieblingsfischräucherei Glut & Späne hat Lachs, Forelle und Saibling im Ofen, sowie Ceviche mit Lachs und Kabeljau!

Kaffeeklatsch @Markthalle Neun, 14.12., 10-18 Uhr

Eisenbahnstr. 42-43, U1 Görlitzer Bahnhof

Einmal über die Brücke rüber hat der Bite Club seine neuen Zelte aufgeschlagen. Im und um’s Urban Spree auf dem RAW-Gelände findet am Wochenende der Foodie Christmas Street Food Market statt. Der Heisse Hobel sorgt für die maximale Portion Comfort Food mit ihren köstlichen Käsespätzle, das Bunsmobile hat angekündigt, ein paar Austern zu öffnen und wer schonmal die kolumbianischen Cornbreads von Maria Maria Arepas probiert hat, der weiß wovon wir reden wenn wir “que riiiiiiiiico” jauchzen. Daneben gibt’s noch gute Bratwurst vom Bauer Lindner, Sound auf die Ohren und jede Menge Rahmenprogramm (man munkelt, der Weihnachtsmann sei auch am Start). We wish a y very merry Foodie Christmas!

Bite Club Foodie Christmas Market @Urban Spree,

14.+15.12., 14-22 Uhr Revaler Straße 99/RAW Gelände

|promo| dies ist ein taste berlin Promo-Posting. Alle Promo-Postings sind als solche gekennzeichnet. Du möchtest Dein Event oder Restaurant bei taste berlin unterbringen? Dann schick uns eine Mail an sandra.wickert(at)gmail.com

SAT.1 kriegt’s nicht gebacken: Das große Backen

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willkommen bei Carmen Nebel —-äääh bei “Das Große Backen”

von Sandra Wickert

Wenn in Großbritannien "The Great British Bake Off" läuft, dann lese ich zwei ganze Stunden lang nichts mehr von meinen britischen Freunden bei Facebook. Kurz davor kommt meist eine Statusmitteilung “#tgbbo is on”, dann wird der Teekessel angeschmissen und sich im Onesie auf die Couch gehauen. Die Backsendung ist im Vereinigten Königreich der Straßenfeger schlechthin, und das seit nunmehr vier Staffeln.
Wie groß also die Freude, als das Format nach Deutschland kam - gemischt natürlich mit einer gewissen Skepsis, die bei Formatadaptionen durchaus angebracht ist.
Seit zwei Folgen gibt’s nun auch bei uns "Das Große Backen”. Und, was soll ich sagen: The TV-junkie is not amused.
Die Mängelliste ist lang. Los geht’s eigentlich schon beim Format an sich. Während man in UK über drei Monate lang mitfiebert und eine Beziehung zu den Kandidaten aufbaut, wird die Show bei uns in vier Wochen abgenudelt. 
Der nächste Meckerpunkt: die Moderatoren. In Großbritannien wurden mit Sue Perkins und Mel Giedroyc zwei sehr, sehr lustige Frauen gewonnen. Bei uns muss, mal wieder, Allzweckwaffe Britt ran. Ihr Sidekick Meltem Kaplan, bis dato eher unbekannt in der deutschen TV-Landschaft, wird vom Sender als “sympathisches Energiebündel” angepriesen. Gut, dass sie das gesagt haben, ich hätte sie ansonsten eher als hyperaktive Karnevalsulknudel eingeordnet.
Nächster Punkt: die Jury. Seufz. Auf der Insel: Mary Berry und Paul Hollywood. Ja, genau die. Die mit den unzähligen Büchern. Der eine quasi die backende Version eines Gordon Ramsay, charismatisch, genial, unerbittlich. Die andere, die Queen Mum der Gebäcke und Mehlspeisen, eine ältere Lady mit Stil und Finesse. Und in good old Germany? “Die prominentenste Hobbybäckerin Deutschlands”, Enie van de Meiklokjes. An sich nicht die schlechteste Wahl, aber die niedliche Enie mit ihren crazy Kopfbedeckungen geistert gerade durch zu viele Sendungen, davon einmal ebvenfalls als Jurorin - eine recht unambitionierte Wahl. Des weiteren richten die Backerzeugnisse: Christian Hümbs, Patissiee des Jahres 2014 (in der Zukunft sozusagen, behauptet zumindest Sat 1). Keine Frage ein Meister seines Fachs, in der Sendung hat er aber eher weniger zu sagen. Er ist der Nette, Unauffällige. Sozusagen der Good Cop zu seinem Gegenpart Andrea Schirmaier-Huber, der Weltmeisterin im Konditorhandwerk. Sie erinnert etwas an Katrin Müller “Reichsparteitag” Hohenstein. Wenn sie ihr desolates Urteil fällt (“Optik ist bei mir keine zu sehen” oder auch gerne mal “das ist nicht essbar”) läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Da fällt jeder Hefeteig sofort in sich zusammen.
Sowohl beim Ambiente (Schloss, Park, Backzelt) wie auch bei der Auswahl der Kandidaten (vielfältig, aus jedem Bereich etwas) wie der Musik hat man sich eng ans Original angelehnt.
Trotzdem funktioniert es hierzulande nicht. 
Während bei den Briten wirklich ausßergewöhnliche Charaktere gefunden wurden (darunter zum Beispiel ein Raumschiffingenieur), deren einzige gemeinsame Leidenschaft das Backen auf sehr hohem Niveau ist, ist man bei uns einmal quer durch die Karteikästen der Castingagenturen gegangen. Herausgekommen ist ein bunter, aber weitestgehend langweiliger Mix: Helga ist die bodenständige Oma, die auch mal Dosenobst für ihr Rezept nimmt, Thu Ha aus Vietnam die Exotin mit kalkulkiertem Kultfaktor aufgrund ihrer lustigen Aussprache, Daniel, der Designer, fungiert als coole Sau (ist er auch, hehe: —> Daniel’s Eatery), Bernd der arbeitslose Diplom-Mathematiker hat fast ein bisschen den Paul-Potts-Faktor, Ägypten- und Aquaristikfan Stephanie scheint als Hassobjekt gebucht zu sein, deren allzu großes Selbstbewusstsein schnell durch mehrfaches Versagen auf den Boden der Tatsachen gebracht wird. 
Bei den weiteren Kandidaten gibt es nichts Nennenswertes zu erwähnen. 
Erschreckend das allgemeine Niveau der Hobbybäckerinnen und Bäcker. Da wird als Showstopper nicht davor zurückgeschreckt, einen einfachen Pflaumenkuchen zu kredenzen, der, mit Verlaub, auch noch scheiße aussieht (und laut einstimmiger Jurorenmeinung auch so schmeckt) und am Windbeutel scheitern die Backfreunde fast im Kollektiv. Zum Vergleich: sowas hat meine Oma am Samstag Vormittag mit links (und einem Gläschen Riesling in der Hand) gezaubert, ohne sich jemals als Backgenie zu bezeichnen.
Echte Backkünste können lediglich Daniel (sein Mango-Upside-Down Cake Minzpesto, eine Wucht) und Sabrina (die “ehrgeizige Sozialarbeiterin”) attestiert werden, der arbeitssuchende Bernd hat jedoch Außenseiterchancen, weil er so schön verwundert ist, wenn er mal gelobt wird..
Schauen wir mal, wie es weitergeht. Von Metzgersfrau Indira mit den pinken Haaren und Zahnarzt Christian ist ja auch noch einiges zu erwarten. Oma Helga hat’s mit Ach und Krach in die nächste Runde geschafft, Stephanie mit ihrem “Pflaumentraum” sowie eine der beiden Heikes mussten leider nach Hause gehen.
Heute um 18 Uhr können sich die Kandidaten erneut unter Beweis stellen, zwei Stunden, die sich zuweilen wie zu zäher Teig ziehen.
Ich will ja nicht immer meckern, wirklich nicht. Aber es ist schon ganz schön traurig, wie SAT.1 es geschafft hat, aus einem so charmanten, zauberhaften Konzept eine Castingshow wie jede andere zu machen. Ich wünschte, Paul Hollywood könnte mal vorbeikommen und eines seiner berühmten Urteile fällen: “It’s underdone”.
 
SAT.1 - Das Große Backen
Samstags 18:00 - 20:00
http://www.sat1.de/tv/das-grosse-backen
PS: Wir schauen weiter, weil wir nicht anders können. Und weil wir Daniel, der coolen Sau, die Daumen drücken. 
Schlechte Gastgeber: priMaria (Friedrichshain)

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es war einmal ein schönes bulgarisches Restaurant: das alte priMaria in der Boxhagener Straße

von Sandra Wickert

Was ich heute erlebt habe, ist mir in meiner Laufbahn als Restaurantgast so noch nicht widerfahren. Leider handelt es sich dabei um ein Erlebnis der weniger schönen Sorte - ich möchte es sogar den Auswärts-Essen-GAU bezeichnen, aber mal schön der Reihe nach.
Es ist Sonntag Abend, Besuch ist da und weil noch durchgefroren vom Hagelschauer sind, entscheiden wir uns ins priMaria zu gehen. Schon seit dem Sommer wollen wir die neue Location in der Gärnerstrasse ausprobieren, waren wir doch treue Stammkunden in der Boxhagener Strassse und Fans von Marias Küche (Taste Berlin Rezension “Echte Gastgeber: priMaria” vom 23.02.1012).
Cool sieht er aus, der neue Laden, unverputzte Wände, schöner Holzboden, zwei miteinander verbundene Räume. Der Kellner kommt auch sofort und nimmt die Bestellung auf. Dreimal Wein (juhu, es gibt ihn noch, den guten roten “Mavrud”) und einmal heiße Orange, dazu die gemischte Vorspeisenplatte und eine Flasche Mineralwasser. Dann erstmal: warten. Und waaarten. Zwei von uns scharren schon leicht unruhig mit den Beinen: bis zum Tatort mit Wotan Wilke Möhring muss das Ding hier durch sein! Nach einer halben Stunde hält es Christina nicht mehr aus und fragt nach. Gute Entscheidung, denn: die Bestellung wurde verbummelt, der Kollege, der sie aufgenommen hatte, habe Feierabend. Gut, kann passieren. Dann geht’s auch recht fix. Zuerst kommen die Getränke (erstmal ohne das Mineralwasser, aber das hatte wohl nicht mehr auf’s Tablett gepasst) dann die Platte. Die schmeckt wie gewohnt gut (verschiedene Pasten, eingelegte Aubergine, Pepperoni, dazu Brot mit Olivenöl: sehr faire 12 Euro). Nach zwei Gabeln der Antipasti kommt die Hauptspeise. Bisschen doofes Timing, aber gut, essen wir die Pasten eben als Beilage, was solls.
Bei der Hauptspeise hatten wir uns einmal für die Pelmeni mit Schweinefleisch (ohne Dill) mit saurer Sahne, einmal für die Pelmeni mit Schweinefleisch und gerösteten Zwiebeln und zweimal für die Vareniki mit gerösteten Zwiebeln und saurer Sahne entschieden. Auf Nachfrage wurde mir zuvor der Unterschied zwischen den beiden Teigtaschenvariationen erklärt: Pelmeni sind mit Fleisch, Vareniki vegetarisch mit Kartoffeln. Gerade noch sagt Nicole “es schmeckt gut, ich bin wieder versöhnt” und Micha freut sich, weil seine Pelmeni tatsächlich wie gewünscht ohne Dill serviert wurden, bemerke ich, dass manche der Füllungen von der Konsistenz bedeutend härter sind als die anderen. Und auch irgendwie anders schmecken. Wonach, das kann ich nicht so richtig sagen. Als ich eine der festeren Teigtaschen aufschneide, weiß ich, was Sache ist: meine seit 1999 anhaltendes Dasein als Nichtesser von Schweinefleisch hat somit ein Ende gefunden.
Der Appetit ist vergangen, klar. Die anderen lasse ich noch zu Ende essen und während Micha nach vorne geht, um eine Ansage zu machen, fange ich unseren Kellner ab und erkläre den Sachverhalt. Wer mich kennt, der weiß, dass es eine ganze Menge braucht, um mich aus der Fassung zu bringen. Zu einer Engelsgeduld gesellt sich eine Harmoniesucht, die mich immer wieder davon abhält, meinem Unmut Luft zu machen. Davon profitieren Vordrängler, Parkplatzklauer, E-Plus-Mitarbeiter und so weiter und sofort. Ich trage also meine Beschwerde mit Bedacht vor, bin weder zickig noch unfreundlich. Die Bedienung  erwidert: nichts. Ausser, dass er nicht versteht, warum ich denn weitergegessen habe (der Teller war zu Dreiviertel leer - ja, wenn man fast 15 Jahre kein Fleisch isst, dann weiß man halt auch nicht mehr auf Anhieb, wie das schmeckt), und als der inzwischen zurück gekehrte Micha ihm nochmals erklärt, worum es da geht, fiel ihm nur ein “Ich habe die Bestellung nur aufgenommen, mehr nicht” ein.
Wir bestellen die Rechnung und hoffen, dass unserem Wunsch (“es wäre also fair, dieses Gericht nicht zu berechnen”) entsprochen wird, wenn es schon keine Entschuldigung oder irgendeine Entschädigung (ein Schnaps hätte schon viel ausgerichtet!) gibt.
Pustekuchen, liebe Leute! Das Gericht wird voll berechnet - und ebenso die niemals gelieferte Mineralwasserflasche. Die wird netterweise nach der Reklamation wieder von der Rechnung genommen (Handzettel übrigens, Schwarzkasse ick hör’ dir trapsen). Zum Abkassieren kommt keiner, auch egal, zahlen wir vorne.
Da poliert Kellner 1 (der eigentlich schon Feierabend haben sollte und laut Aussage von Kellner 2 keine ordentliche Übergabe gemacht hat, weshalb unsere Vorspeise vergessen wurde) gerade die Gläser. Vielleicht hat er ja ein Einsehen? Yeah, right. Er hört sich die gleich Leier nochmal an und auf mein “ich finde es nicht in Ordnung, dass ich dieses Gericht jetzt auch noch bezahlen soll”) ringt er sich lediglich zu einem “ja, ja, geht gar nicht” durch, auf seinem Gesicht lese ich aber: das geht mir am Arsch vorbei.
Wir stürzen raus, das einhellige Urteil: Nie wieder. Fehler passieren und auch eine Ansammlung von ein paar Schnitzern hintereinander ist vielleicht nicht schön, aber auch kein Drama. Ich bin nur froh, dass es keinen wirklichen Hardcore-Vegetarier getroffen hat. Aber in einem Restaurant so von oben herab, unfreundlich und grob behandelt zu werden, das ist, gelinde gesagt, zum Kotzen.
What (the fuck!!) happened to priMaria? Die Homepage ist noch auf dem alten Stand vor dem Umzug, vielleicht ist die Besitzerin ja im Keller eingesperrt und eine Horde fieser Aliens haben die einstige Perle Bulgariens übernommen. Anders ist das nicht zu erklären.
priMaria
Gärtnerstraße 12, Berlin-Friedrichshain
http://www.primaria.de
…und tschüss Café Bayer: Kahrmann’s Own (Prenzlauer Berg)

image Bötzowkiez statt Lindenstraße

von Sandra Wickert

Der 16. November 1995, ein wahrhaft schwarzer Tag: Benny steigt in München den Bus, um der Hochzeit seiner Mutter Helga mit Erich beizuwohnen. Am Brunntaldreieck dann der tragische Unfall, bei dem Benny Beimer ums Leben kommt. 

Klar war Christian Kahrmann danach noch in nicht wenigen Produktionen als Schauspieler gefragt, zwischen Rosamunde Pilcher und Tatort. Für mich ist und bleibt er aber Benny, mit dem ich gemeinsam alle Phasens des Heranwachsens durchgemacht habe (Liebeskummer, Schuleschwänzen, Anti-Atom-Protest).

Nun ist Benny kein Benny mehr sondern Christian, und der führt seit ungefähr einem Jahr das Café “Kahrmann’s Own” im Bötzowkiez in Prenzlauer Berg. 

"Alptraum, is bei mir umme Ecke. Ein durchgentrifiziertes Bistro mit seinem riesengrossen Konterfei. Direkt neben Angela Merkels Lieblingsrestaurant. Würg", schimpft ein Freund als ich zum Mittagessen einlade. Ich gehe trotzdem hin und überzeuge stattdessen Kollegin Jessi mitzukommen.

Der erste Blick bestätigt das Vorurteil: zuviel Ikea-Mobiliar, das typische Cheesecake-Muffins-Sandwich-Suppe-Allerlei, Tafelfarbe an den Wänden und das tatsächlich etwas irritierende Branding mit dem Kopf des Inhabers (das übrigens, genauso wie der Name, mehr als bloß inspiriert ist von Paul Newman’s Pastasaucenimperium Newman’s Own). Eindeutig eher Café George als Café Bayer.

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Meine Begleitung entscheidet sich für einen Minztee (3,30) plus Pastrami-Sandwich (4,90), ich wähle einen Galao (2,20) und die kalte Gurkensuppe (3,90). Die Getränke kommen flugs, obwohl der Chef persönlich nebenan beim Obst- und Gemüseladen die Minze holen muss. Leider besteht auch das Kahrmann’s Own, wie so viele andere, den Minzteetest nicht (kommt im hohen Glas ohne Henkel, ergo unanfassbar ohne sich die Griffel zu versengen für mindestens 15 Minuten). Und dann: Warten. Waaarten. Und dabei Wespen vertreiben. Es dauert nicht unverschämt ewig, aber für die Lunchbreak zweier stets gehetzter StartUp-Mitarbeiterinnen doch einen Ticken zu lange. 

Als die Speisen da sind, schlägt das leichte Eingeschnapptsein schließlich doch in Wohlwollen um. Die Gurkensuppe überzeugt sowohl in der Konsistenz (dünn, aber nicht wässrig) als auch im Geschmack (dezent nach Knoblauch und Minze). Das Pastrami-Sandwich ist so, wie es sich gehört (dreieckig, hoch geschichtet und mit Zahnstochern zusammengehalten), das Räucherfleisch wird von der Kollegin mit Lob bedacht.

Beim Bezahlen (drinnen, an der Theke) suche ich nach weiteren Gentrifizierungs-Merkmalen…das Yoga-Poster fällt auf, dagegen ebensosehr die Bild und die B.Z. - Gentry in your ass!

"Quality, Passion, Joy" ist das Motto des Cafés. Von der Qualität konnten wir uns überzeugen, die Leidenschaft unterstellen wir einfach mal, die Freude könnte noch etwas mehr rüberkommen, der Inhaber wirkte etwas gestresst (nachvollziehbar, falls er neben dem Service auch für die Zubereitung der Speisen zuständig ist, was wir vermutet haben, aber nicht belegen können). Benny, äh Herr Kahrmann war dabei aber sehr freundlich und Starallüren sucht man vergeblich.

Okay, ich geb’s zu, er wird immer den Benny-Beimer-Bonus bei mir haben. Aber geschmeckt hat’s, preislich war’s in Ordnung (bis auf den Minztee, da sind 3,30 Euro doch ein bisschen viel) und ja mei, so is das halt im Pregnant Hill, gell. 

Christian Kahrmann scheint übrigens den Musikgeschmack seiner (frühreifen, missratenen, nervenden) Filmtocher Lea zu teilen: Rihanna ertönte aus den Lautsprechern. 

Kahrmann’s Own

Bötzowstraße 21 in 10405 Berlin-Prenzlauer Berg

http://kahrmannsown.com

Meine Perle der Karibik (keine macht mich so glücklich wie sie)*: Madinina - délice créole

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ab sofort: “Bonjour” oder “bózu” statt “Aber Hallo”

von Sandra Wickert

Früher, in den Sommerferien, sind mein Bruder und ich mit unseren Eltern immer mit dem alten Passat in den Süden gefahren. Und am Mittelmeerstrand hat Mama Gerlinde dann immer versucht, uns mit anderen Urlaubskindern zu verkuppeln. Die hießen meist Tanja oder Stefan, kamen aus Wuppertal oder Hannover - und wir hatten nie Bock auf sie. Bei einem Geschwisterpärchen war das aber anders: Marie-Louise und Etienne kamen aus Martinique waren total cool. Und obwohl wir uns kaum verständigen konnten haben wir die zwei Wochen an der Cote d’Azur wasserballspielend und sandburgenbauend miteinander verbracht. Und dort machten wir auf ersten Mal Bekanntschaft mit der kreolischen Küche, da die Maman der beiden immer einen Pickinickkorb erster Sahne dabei hatte.

Gut 25 Jahre sollte es dauern, bis wir ein weiteres Mal auf Spezialitäten des Überseegebiets trafen. Mit Madinina - délice créole hat in einer laufkundschaftlich betrachtet eher ungünstigen Lage auf der “falschen” Seite der Warschauer Straße ein kleines Restaurant aufgemacht, das sich der kreolischen Küche verschrieben hat. Das Schild war noch nichtmal angebracht, da zog es uns schon in die kleine Lokalität. Und fast hätte es zumindest mich rückwärts wieder rausgehauen. Karierte Plastiktischdecken, ein doch sehr buntes Wandgemälde, die abgegrabbelten Holzstühle eindeutig vom Vorgänger-Imbiss übernommen und inmitten des kleinen Raumes sehr prominent eine Bambus- (oder ist es Schilf?)-Bar, wie man sie sonst eher von anderen Inseln, beispielsweise im Balearenraum kennt. Als ich Augenkontakt mit dem begleitenden Bruder sowie meinem Freund suche, meine ich, ein kleines komplizenhaftes Grinsen zu entdecken, doch das wird schnell durch Michas “Irgendwie find’ ich das gut” entkräftet. Außerdem ist es zu spät zum Abhauen, der sympathisch unkellnerhafte Kellner ist flink und sehr zuvorkommend. Es gibt nur eine kleine Karte, die ist auch noch handgeschrieben, man ist ja auch gerade erst fertig geworden.

Wir entscheiden uns für eine bunte Mischung: ich nehme die vegetarischen Accra mit Karotten und Salatbeilage, mein Freund das selbe mit Kabeljau, Micha entscheidet sich für die gebackene Hähnchenkeule (jeweils 7 Euro) und die wie immer mit leichter Verspätung eintrudelnde Nicole wählt das (den?) Avocadotartar (6 Euro).

Jeder probiert von jedem, das allgemeine Fazit: fantastisch! Accra sind frittierte Bällchen, und ich stimme der alten Schottenweisheit “frittiert schmeckt’s besser” sowieso zu - in diesem Falle ganz besonders. Nicht fetttriefend und labbrig wie so oft, sondern kross von außen, wunderbar zart innen. Die Salatbeilage fällt etwas klein aus, besteht lediglich aus Gurke und Tomate, aber die Vinaigrette: ein Traum! Das Avocadotartar ist die Überraschung des Abends: ich sehe das Glas ja meist halbleer und erwartete einfach eine Guacamole (ja, lecker, aber warum sollte man es dann als Tartar verkaufen?) Statt dessen kam so eine Art Trifle in pikant, wunderbar geschichtet (Avocado, Tomate, Geheimzutat). Geschmacklich frisch-zitronig und sehr leicht, trotz des wahrscheinlich bombastisch hohen Kaloriengehalts.

Da die Portionen in Bezug auf Preis-Leistung zwar völlig okay aber doch nicht riesig sind, war noch genug Platz fürs Dessert. Der Ananaskuchen, der zum Anbeißen aussah, war leider für den Paella-Abend am Tag darauf reserviert, deshalb entschieden wir uns für das Kokosnuss-Bonbon (2 Euro) und den Flan de Coco (4 Euro). Das Bonbon entsprach nicht ganz den hohen Erwartungen - es erinnerte ein bisschen an diese zähen Pralinés, die es früher auf dem Schulbasar zu kaufen gab…erinnert sich noch jemand? Man musste die nicht backen, sondern lediglich getrocknete Früchte, Nüsse und sonstige klebrige Masse zusammenmanschen. Hmmm. Hingegen der Flan: So, so gut! Und mit vier Euro ein bisschen zu teuer für die winzige Portion….das ist die reine Folter, von diesem zarten, luftigen etwas nur 2 Löffelchen essen zu dürfen. Wir fordern größere Flanschälchen..allons enfants!

Beim Abrechnen ist wohl noch ein Rechenfehler unterlaufen, oder kann das sein dass ein Stamperl Rum für 4 Euro angeboten wird? Egal, passiert. Da das Madinina immer wieder was neues (und sehr vielversprechendes) auf der Karte hat, kommen wir auf jeden Fall wieder. Den Ananaskuchen wollen wir uns nicht entgehen lassen!  Und bei genauerer Betrachtung ist eigentlich auch das Wandbild ganz stimmig- Micha konnte natürlich auch den Fisch benennen, der darauf zerlegt wird, aber der Name ist mir gerade entfallen.

Und jetzt kommt Ihr ins Spiel: wir wollen unbedingt, dass sich diese kleine Oase auf der falschen Seite der Warschauer Straße hält. People of Friedrichshain, schaut auf dieses Restaurant! Kurioserweise scheint ein Großteil der Belegschaft gar nicht aus Martinique, sondern aus Katalonien zu kommen, deshalb sind die regelmäßig stattfindenden Paella-Abende sicher ein wahrer Geheimtipp im Kiez.

Und falls der Laden doch mal rammelvoll sein sollte und ihr länger auf Euer Essen warten müsst, für Unterhaltung ist gesorgt: im Zeitschriftenständer sind die Titanic und 11 Freunde. Achja, Martinique heißt in der Sprache der Ureinwohner übrigens “Madinina” und das wiederum bedeutet Blumeninsel. Und die Wassertemperatur kann im Juli bis Oktober 28 °C überschreiten und liegt auch im Februar nicht unter 26 °C. Seufz.

 

Madinina - délice créole

Warschauer Str. 12 in 10245 Fhain

das Tagesangebot wird meistens auf Facebook bekanntgegeben.

*D-FLAME, Sie macht mich glücklich

In the citaaay: California Breakfast Slam

In Berlin sitzt man draußen, auch wenn die kalifornische Sonne weit entfernt ist.

von Sandra Wickert

Natürlich ist es jetzt ein bisschen unangenehm, das zuzugeben, aber peinlich ist ja bekanntermaßen das neue cool und daher hau ich das jetzt raus: seit “Die Farbe des Geldes” war ich unsterblich in Tom Cruise verliebt. Und ich war mir ganz sicher: wir müssten uns einfach nur begegnen, dann würde das schon was werden. Aus diesem Grund trug ich immer zwei Armbanduhren. Die goldene Armbanduhr am linken Arm,  die ich von der Patentante zur Kommunion bekommen hatte zeigte unsere Zeit, die Uhr rechts, die ich mir selbst in den Sprachferien in England geleistet hatte, zeigte die Pacific Standard Time, damit ich immer wusste, wie spät es bei Tomcat gerade war. Fast meine gesamte Adoleszenz verbracht ich mit Fantasien über Kalifornien (geprägt durch 90210 und Baywatch) und irgendwann hatte ich es dann geschafft und stand in Malibu am Pazifik. In dieser Zeit lernt ich zwei Dinge: 1.) die Kalifornier ernähren sich entweder sehr junky (alleine in L.A. gibt’s angeblich 780 Taco Bells - mehr als in jeder anderen Stadt der Welt) oder extrem gesund (zum ersten und letzten Mal Weizengrassaft probiert) und, 2.) ein “Californian Breakfast” besteht aus ner Tasse Kaffee und nem Joint.

Langer Rede kurzer Sinn: Als ich vom California Breakfast Slam hörte war ich extrem gespannt, was mich da erwartete. In der Neuköllner Pflügerstrasse gastiert in einer Musikkneipe, dem Lagari, immer Samstags und Sonntags die Gang um Chef Patrick. Meine Freundin Christina war aus dem Augsburger Exil zu Gast, gierte nach Weißwurstfreiem Frühstück und war mit meiner Wahl mehr als einverstanden.

Das Publikum: Internationals, was sonst. Der Reuterkiez-Hipster hatte seine Eltern aus dem Mittleren Westen zu Besuch, die Mädels am Nebentisch ließen öfter mal die Worte “amazing” und “I love Neukölln” fallen. True Story. Entgegen aller Unkenrufe (ja, wir haben kurz auf qype spioniert) war der Service super. Eine großgewachsene, sehr kurzbehoste und freundliche Bedienung brachte uns flugs die Menükarte. Wir entschieden uns für Huevos Rancheros und Pancakes mit Blaubeeren, um sowohl dem Katerhunger als auch den Süßjieper gerecht zu werden.

Erfreulich: Der Kaffee stammt von Five Elephant Coffee, die wir unlängst während des The XX Night + Day im Spreepark kennenlernen durften (prima Leute, prima Kaffee). Und nochwas: aus den Lautsprechern singt Nico mit Velvet Underground. Passt zum grauen Himmel irgendwie.

Und wieder ging’s fix und das Frühstück wurde mit einem Lächeln serviert. Der Kaffee schmeckte erwartungsgemäß hervorragend, zum Earl Grey wurde ohne nachzufragen ein Kännchen mit warmer Milch gereicht. Lovely! Auf dem pikanten Teller thronten zwei perfekt gebratene Spiegeleier auf Black Beans und Corn Fritters, auf dem süßen Teller wurden drei große Blaubeer-Pancakes mit etwas Banane und Walnuss sowie Ahornsirup kredenzt. Geschmeckt hat alles richtig gut. Die Corn Fritters waren eeetwas zäh, wirklich nur ein winziges bisschen. Der Geschmack war köstlich. Die Pancakes so, wie sie sein müssen: fluffig, aber trotzdem mit Substanz. Wir waren begeistert, fühlten uns beide an diverse USA-Aufenthalte erinnert (allerdings nicht an Kalifornien - ich musste an einen wilden Roadtrip durch Texas denken, meine Begleitung an windige Tage in Chicago). 

Obwohl wir beide eigentlich maßlose Esser sind, mussten wir was übrig lassen - die Portionen sind mächtig. Und die Corn Fritters lagen den Tag über auch noch etwas schwer im Magen. Man sollte also keine weiteren reichhaltigen Mahlzeiten für den selben Tag mehr einplanen. Die Eggs of Pope Benedict (mit Hollandaise) auf der Karte hörten sich genauso köstlich an wie der mehr-als-daumendicke French Toast, der am Nebentisch serviert wurde. Klare Sache, wir kommen wieder! Achja, und Tom Cruise habe ich übrigens noch vor seinem Scientology-Wahn abgeschossen. Nämlich genau in dem Moment, indem er bei “Days of Thunder” Nicole Kidman den Hof gemacht hat. Das habe ich ihm nie verzeihen können.

(sw)

California Breakfast Slam, immer Samstags + Sonntags im Lagari,

Pflügerstr. 19 in Neukölln

https://www.facebook.com/cabslam

Five Elephant Coffee

Reichenberger Str. 101 in Kreuzberg

http://www.fiveelephant.com

…und das macht man dazwischen*: Helvetia Röschti Bar (Kreuzberg)

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von Sandra Wickert


Brrrr, ein kalter Wintertag und der verdiente Feierabend nach einem Markthallen-Samstag. Da sehnt man sich nach Comfort Food, das einen warm einhüllt und einem ein bisschen Zuversicht schenkt, dass die kommenden Wochen doch gar nicht so schlimm sein werden und der Frühling quasi direkt hinter der nächsten Straßenecke wartet.

Schon ein paar Mal sind wir am Helvetia - Röschti Bar vorbeigeschlichen, haben es aber noch nie rein geschafft. Doch heute soll endlich der Tag der Tage sein. Aufgewachsen unweit der Schweizer Grenze und geprägt von samstäglichen Ausflügen in die Migros-Supermärkte sind wir kulinarisch also vorbelastet. Zudem hat Micha schonmal auf einem Schweizer Forellenhof mit angeschlossenem Restaurant gearbeitet - die Ansprüche sind also hoch. Ein klein wenig skeptisch sind wir beim Eintreten in die Eckwirtschaft, es kommt uns komisch vor, dass hier “Röschti” mit “sch” geschrieben wird - wie uns aber aus dem Schweizer Bekanntenkreis bestätigt wurde, ist dies eine legitime Schreibweise. Übrigens sind wir gänzlich unbeleckt, was die Gründungsgeschichte des Helvetia betrifft, das lesen wir erst später nach und sind fasziniert. Vielleicht ganz gut, dass wir uns lediglich auf unser eigenes Urteil verlassen müssen.

Es ist noch sehr früh am Abend, deshalb können wir uns den Platz aussuchen und wählen aus im Nachhinein unerfindlichem Grund die Kinderecke. Ausgehungert faxen wir nicht lange: für jeden ein Rösti, einmal mit Spiegelei für Sandra, Nicole wählt die Gemüseversion und Micha gibt sich die volle Ladung mit Emmentaler.

Wir müssen nicht lange warten, da kommt das kleine Wunder auch schon. Ein Riesenrösti, goldbraun. Dazu eine sehr ansehnliche, rot-grüne Salatbeilage (wir sind ja schließlich in Kreuzberg). Der fast synchrone erste Biss aller drei Esser ruft ein nicht minder einstimmiges: “Ja!”. In Butterschmalz gebacken, leicht kross, nicht noch halbroh (wie sonst so oft!), einfach köstlich. Das Salatdressing hat genau die richtige Säure. Viel mehr kann an dieser Stelle nicht erzählt werden - denn es dauert nicht lange, bis alles restlos verputzt ist. Für ungefähr 9 Euro pro Rösti ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis.

Keine Frage, wir haben unser Stammlokal gefunden, wenn wir Heimweh haben, uns nach Oma Lisbeths oder Tante Vrenis schweizaffine Küche sehnen oder einfach nur eine Ladung Kohlenhydrate in ihrer schönsten Form brauchen. Denn das macht glücklich. Haben sich übrigens auch Sido und Cro samt Gang gedacht, die unlängst dort eingekehrt sind. Sicherlich ein Tip des Pandas, dessen Kindheitsküche garantiert auch von der kulinarischen Nähe zur Eidgenossenschaft geprägt war.

Herr Rohner, Merci vielmol, Sie haben uns da was Tolles geschenkt. Uff wiederluege!

*”Als Schweizer geboren zu werden, ist ein grosses Glück. Es ist aber auch schön, als Schweizer zu sterben. Doch was tut man dazwischen?” - Alexander Rhoda Roda (1872-1945)

(sw)