In the citaaay: California Breakfast Slam

In Berlin sitzt man draußen, auch wenn die kalifornische Sonne weit entfernt ist.

von Sandra Wickert

Natürlich ist es jetzt ein bisschen unangenehm, das zuzugeben, aber peinlich ist ja bekanntermaßen das neue cool und daher hau ich das jetzt raus: seit “Die Farbe des Geldes” war ich unsterblich in Tom Cruise verliebt. Und ich war mir ganz sicher: wir müssten uns einfach nur begegnen, dann würde das schon was werden. Aus diesem Grund trug ich immer zwei Armbanduhren. Die goldene Armbanduhr am linken Arm,  die ich von der Patentante zur Kommunion bekommen hatte zeigte unsere Zeit, die Uhr rechts, die ich mir selbst in den Sprachferien in England geleistet hatte, zeigte die Pacific Standard Time, damit ich immer wusste, wie spät es bei Tomcat gerade war. Fast meine gesamte Adoleszenz verbracht ich mit Fantasien über Kalifornien (geprägt durch 90210 und Baywatch) und irgendwann hatte ich es dann geschafft und stand in Malibu am Pazifik. In dieser Zeit lernt ich zwei Dinge: 1.) die Kalifornier ernähren sich entweder sehr junky (alleine in L.A. gibt’s angeblich 780 Taco Bells - mehr als in jeder anderen Stadt der Welt) oder extrem gesund (zum ersten und letzten Mal Weizengrassaft probiert) und, 2.) ein “Californian Breakfast” besteht aus ner Tasse Kaffee und nem Joint.

Langer Rede kurzer Sinn: Als ich vom California Breakfast Slam hörte war ich extrem gespannt, was mich da erwartete. In der Neuköllner Pflügerstrasse gastiert in einer Musikkneipe, dem Lagari, immer Samstags und Sonntags die Gang um Chef Patrick. Meine Freundin Christina war aus dem Augsburger Exil zu Gast, gierte nach Weißwurstfreiem Frühstück und war mit meiner Wahl mehr als einverstanden.

Das Publikum: Internationals, was sonst. Der Reuterkiez-Hipster hatte seine Eltern aus dem Mittleren Westen zu Besuch, die Mädels am Nebentisch ließen öfter mal die Worte “amazing” und “I love Neukölln” fallen. True Story. Entgegen aller Unkenrufe (ja, wir haben kurz auf qype spioniert) war der Service super. Eine großgewachsene, sehr kurzbehoste und freundliche Bedienung brachte uns flugs die Menükarte. Wir entschieden uns für Huevos Rancheros und Pancakes mit Blaubeeren, um sowohl dem Katerhunger als auch den Süßjieper gerecht zu werden.

Erfreulich: Der Kaffee stammt von Five Elephant Coffee, die wir unlängst während des The XX Night + Day im Spreepark kennenlernen durften (prima Leute, prima Kaffee). Und nochwas: aus den Lautsprechern singt Nico mit Velvet Underground. Passt zum grauen Himmel irgendwie.

Und wieder ging’s fix und das Frühstück wurde mit einem Lächeln serviert. Der Kaffee schmeckte erwartungsgemäß hervorragend, zum Earl Grey wurde ohne nachzufragen ein Kännchen mit warmer Milch gereicht. Lovely! Auf dem pikanten Teller thronten zwei perfekt gebratene Spiegeleier auf Black Beans und Corn Fritters, auf dem süßen Teller wurden drei große Blaubeer-Pancakes mit etwas Banane und Walnuss sowie Ahornsirup kredenzt. Geschmeckt hat alles richtig gut. Die Corn Fritters waren eeetwas zäh, wirklich nur ein winziges bisschen. Der Geschmack war köstlich. Die Pancakes so, wie sie sein müssen: fluffig, aber trotzdem mit Substanz. Wir waren begeistert, fühlten uns beide an diverse USA-Aufenthalte erinnert (allerdings nicht an Kalifornien - ich musste an einen wilden Roadtrip durch Texas denken, meine Begleitung an windige Tage in Chicago). 

Obwohl wir beide eigentlich maßlose Esser sind, mussten wir was übrig lassen - die Portionen sind mächtig. Und die Corn Fritters lagen den Tag über auch noch etwas schwer im Magen. Man sollte also keine weiteren reichhaltigen Mahlzeiten für den selben Tag mehr einplanen. Die Eggs of Pope Benedict (mit Hollandaise) auf der Karte hörten sich genauso köstlich an wie der mehr-als-daumendicke French Toast, der am Nebentisch serviert wurde. Klare Sache, wir kommen wieder! Achja, und Tom Cruise habe ich übrigens noch vor seinem Scientology-Wahn abgeschossen. Nämlich genau in dem Moment, indem er bei “Days of Thunder” Nicole Kidman den Hof gemacht hat. Das habe ich ihm nie verzeihen können.

(sw)

California Breakfast Slam, immer Samstags + Sonntags im Lagari,

Pflügerstr. 19 in Neukölln

https://www.facebook.com/cabslam

Five Elephant Coffee

Reichenberger Str. 101 in Kreuzberg

http://www.fiveelephant.com

…und das macht man dazwischen*: Helvetia Röschti Bar (Kreuzberg)

image

von Sandra Wickert


Brrrr, ein kalter Wintertag und der verdiente Feierabend nach einem Markthallen-Samstag. Da sehnt man sich nach Comfort Food, das einen warm einhüllt und einem ein bisschen Zuversicht schenkt, dass die kommenden Wochen doch gar nicht so schlimm sein werden und der Frühling quasi direkt hinter der nächsten Straßenecke wartet.

Schon ein paar Mal sind wir am Helvetia - Röschti Bar vorbeigeschlichen, haben es aber noch nie rein geschafft. Doch heute soll endlich der Tag der Tage sein. Aufgewachsen unweit der Schweizer Grenze und geprägt von samstäglichen Ausflügen in die Migros-Supermärkte sind wir kulinarisch also vorbelastet. Zudem hat Micha schonmal auf einem Schweizer Forellenhof mit angeschlossenem Restaurant gearbeitet - die Ansprüche sind also hoch. Ein klein wenig skeptisch sind wir beim Eintreten in die Eckwirtschaft, es kommt uns komisch vor, dass hier “Röschti” mit “sch” geschrieben wird - wie uns aber aus dem Schweizer Bekanntenkreis bestätigt wurde, ist dies eine legitime Schreibweise. Übrigens sind wir gänzlich unbeleckt, was die Gründungsgeschichte des Helvetia betrifft, das lesen wir erst später nach und sind fasziniert. Vielleicht ganz gut, dass wir uns lediglich auf unser eigenes Urteil verlassen müssen.

Es ist noch sehr früh am Abend, deshalb können wir uns den Platz aussuchen und wählen aus im Nachhinein unerfindlichem Grund die Kinderecke. Ausgehungert faxen wir nicht lange: für jeden ein Rösti, einmal mit Spiegelei für Sandra, Nicole wählt die Gemüseversion und Micha gibt sich die volle Ladung mit Emmentaler.

Wir müssen nicht lange warten, da kommt das kleine Wunder auch schon. Ein Riesenrösti, goldbraun. Dazu eine sehr ansehnliche, rot-grüne Salatbeilage (wir sind ja schließlich in Kreuzberg). Der fast synchrone erste Biss aller drei Esser ruft ein nicht minder einstimmiges: “Ja!”. In Butterschmalz gebacken, leicht kross, nicht noch halbroh (wie sonst so oft!), einfach köstlich. Das Salatdressing hat genau die richtige Säure. Viel mehr kann an dieser Stelle nicht erzählt werden - denn es dauert nicht lange, bis alles restlos verputzt ist. Für ungefähr 9 Euro pro Rösti ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis.

Keine Frage, wir haben unser Stammlokal gefunden, wenn wir Heimweh haben, uns nach Oma Lisbeths oder Tante Vrenis schweizaffine Küche sehnen oder einfach nur eine Ladung Kohlenhydrate in ihrer schönsten Form brauchen. Denn das macht glücklich. Haben sich übrigens auch Sido und Cro samt Gang gedacht, die unlängst dort eingekehrt sind. Sicherlich ein Tip des Pandas, dessen Kindheitsküche garantiert auch von der kulinarischen Nähe zur Eidgenossenschaft geprägt war.

Herr Rohner, Merci vielmol, Sie haben uns da was Tolles geschenkt. Uff wiederluege!

*”Als Schweizer geboren zu werden, ist ein grosses Glück. Es ist aber auch schön, als Schweizer zu sterben. Doch was tut man dazwischen?” - Alexander Rhoda Roda (1872-1945)

(sw)

Bei Dir piept’s wohl: The Bird (Prenzlauer Berg)

image

Nichtstilleben mit Piepmatz.


von Sandra Wickert

In der Vorweihnachtszeit einen Tisch für mehrere Personen im The Bird zu bekommen ist in ungefähr so wahrscheinlich, wie Matthias Reim beim Sonntagsspaziergang am Bodensee zu begegnen. Beides keine sehr realistischen Vorstellungen, dennoch ist beides so eingetroffen. Nach mehrmaligem Hin- und Hermailen mit der sehr geduldigen und freundlichen Reservierungskraft haben wir, sehr zum Neid vieler hippen, erfolgreichen Berliner Startups, einen Tisch für unsere Weihnachtsfeier bekommen.

In den Himmel gelobt wird die “New York Style Bar und Steakhouse” am Falkplatz gleichermaßen von Presse, Gästen und merkwürdigerweise besonders von Leuten, die es nur vom Hörensagen kennen (a friend of a friend of a friend….Ihr wisst schon).

In der -bitte warten bis Sie platziert werden Schlange- kann man sich schonmal einen ersten Eindruck verschaffen. An der Brickwand typische Sportsbar/Rock’n-Roll-Devotionalien wie die unvermeidliche St.Pauli-Fahne und lustige Schildchen wie “Hippies use backdoor”. Das kennt man! Weniger aus New York, dafür aus San Antonio, Texas, dem Route66 in Madrid oder dem Downtown Diner in Mainz.

Gepackt voll ist der Laden, neben uns hat es sich eine Gruppe, allesamt gewandet in der Neuköllner Uniform (Skinny Jeans, Flanellhemd, Schnauzer) bequem gemacht, auf der anderen Seite eine schon sehr feucht-fröhliche Weihnachtsfeiergesellschaft, vermutlich aus dem Versicherungsbereich. Hoch die Tassen!

Nach zwanzig Minuten bekommen wir die Karte gereicht, die fast alle in der Runde erwähnenswert spaßig finden. Mit Strenge versucht man hier den Gast zu erziehen: “At least try eating the damn burger with your hands”. Fast ausschließlich bestellen wir dann auch Burger verschiedenster Art, sie hören auf Namen wie The Filthy Harry (Bacon & Cheddar) oder The Fat Stingy Gonzalez (Guacamole & Salsa Verde). Nur der Investor ordert Steak und Salat - er muss auf seine Figur achten und ernährt sich Low Carb - und ich greife zur vegetarischen Variante. Aufschreien vorwegnehmend: ja, so ist’s nunmal und The Lousy Hunter klingt doch zumindest einen Versuch wert. Der erste Faux Pas führt nur ganz kurz zu Unmut (die Praktikantin versucht trotz Warnhinweisen auf der Karte, das Fleisch “gut durch” zu bestellen), dann wird auch schon serviert. 

Auf den Tellern: nicht Burger mit Pommes, sondern Pommes mit Burger. Viele, viele frittierte Kartoffelteile in allen Formen, mit oder ohne Schale. Sieht gut aus. Schön goldbraun und weitgehend knusprig. Das Burgerbrötchen ist keins, sondern eher etwas, das in Richtung English Muffin geht, und somit auch ungewöhnlich klein. Der geringe Durchmesser des Burgers soll wohl durch Höhe ausgeglichen werden: Daumendick die Fleischpatties - wie man das ohne Besteck oder Gaumensperre essen soll, ein Rätsel (aber im The Bird mag man nunmal keine “uptight people with forks and knives”, deshalb strengen sich alle auch brav an.) Das Hack: tatsächlich recht rosa. Muss man mögen.  Positiv: Ketchup, Mayo oder Senf werden separat gereicht. Beim “Lousy Hunter” sind beide Gemüsebratlinge leider verbrannt. Immerhin erkennt man an den Brandmalen, dass auch der Bratling gegrillt wurde, auf dem Rost oder in der Grillpfanne.

Die Blitzumfrage unter den Fleischburgeressern ergibt eine recht positive, wenn auch keine vor Begeisterung überbordende Bilanz. 

Die Neuköllner Hipsterbande am Nebentisch, die übrigens keine war, sondern Klamottenladenbesitzer aus Mitte, hat uns dann noch die Napalm Wings zum Probieren gereicht - eine fragwürdige Geste, denn die Hähnchenflügel sind so scharf gewürzt, dass selbst das bloße Schnuppern daran die Atemwege verätzt. Sowas kennt man ja sonst nur von Schärfe-essen-Wettbewerben auf Kabel 1!

Fazit:

Beilagen: top, Burger: ganz gut, Hype: überflüssig. Wenn’s um den bloßen Burger geht ist Burger International in der Pannierstraße immer noch ungeschlagen, wenn’s um Burger plus Ambiente geht, hat das White Trash Fast Food leicht die Nase vorn. The Bird? Kann man machen, muss man aber nicht zwingend. Einen Ableger gibt’s übrigens auch in Hamburg - war schonmal jemand da? Wir würden uns über Berichte freuen.

http://www.thebirdinberlin.com/

http://www.route66rockfood.blogspot.de/

(sw)

Ganz ohne Piémontkirsche: Louise Chérie (Friedrichshain)

image

Allons enfants de la patrie….


von Sandra Wickert

Für diesen Blogeintrag waren zwei Café-Besuche notwendig, denn nachdem unser Fazit nach dem ersten Besuch im Gegensatz zu den Bewertungen in den eingängigen Internetforen eher mau ausgefallen war, wollten wir Carole und Eric, den beiden Betreibern des Louise Chérie, noch eine zweite Chance geben. Aus Gründen. 

Seit Mitte diesen Jahres wird in der Grünberger Straße die Flagge gehisst, und zwar die französische. (Erinnert sich eigentlich noch jemand an die ehemalige kleine Franzosenbar von nebenan? Legendäre Abende in einem Ambiente, das an Bordeaux, Nantes oder die Rue Oberkampf erinnerte). 

Die Tricolore weist den Weg und wir wollen uns auf “Urlaub nach Frankreich” (qype) begeben. Nein, quark, wir wollen an einem grauen Novembersonntag schlicht und einfach guten Kuchen essen. Zunächst sind wir etwas erschlagen vom Intérieur. Laut Homepage sind die guten Stücke vom elterlichen Antiquitätenhandel nach Berlin mitgebracht…tu rigoles! Klar, es sind tatsächlich ein paar alte Stücke dabei, der Tresen sieht massiv aus, die Stühle sind nett zusammengewürfelt. Wie man es aus Berlin kennt. Genau. Aus Berlin. Denn wirklich französisch mutet die Einrichtung nicht wirklich an, sondern eher so, wie man es aus der Brigitte, Schöner Wohnen und Konsorten kennt. Viel Patinage, ein bisschen zuviel - kann man ja auch nachträglich auftragen. Ein paar Deko-Elemente scheinen vom Vorgänger-Trödler übernommen worden zu sein (gut), ein paar andere bei Depot oder Dom geshoppt (naja).

Die Betreiber sind Franzosen, wie sie die Deutschen lieben. Charmant, charmant und Carole sieht aus, als wäre sie direkt einer Comptoir des Cotonniers Anzeige enstprungen. Très chic. Französisches Understatement - wenn auch nicht bei der Einrichtung, dann aber umso mehr beim Klamottenstil.

Danke für’s durchhalten, liebe Taste-Freunde. Wir erzählen Euch jetzt endlich vom Kuchen. Auf den Tisch kamen ein “Cheesecake” und eine “Schokoladentarte”. Letztere bekam die volle Punktzahl: lecker, saftig, trotzdem nicht so unglaublich schwer im Magen wie sonst so oft. Vom “Cheesecake” konnte man das leider nicht behaupten. A) War es leider kein Cheesecake sondern eine Käse-Sahne-Torte, was aber viel schwerer wiegt ist die Tatsache, dass es sich B) um TK-Ware handelte. Und die war noch nichtmal fertig aufgetaut. Schade, schade, wo doch auf der Homepage von Caroles Backkünsten geschwärmt wird. Das sollte man doch wenigstens anmerken, wenn man nicht ganz darauf verzichtet, so etwas zu servieren.

Am 3. Adventssonntag dann der Wiederholungsbesuch. Und diesmal surprise, surprise. Als wir uns die Kuchen und Torten in der Vitrine ansehen, wird uns ohne Nachfrage mitgeteilt, dass eine der Torten, nämlich die Schwarzwälder, nicht von Carole selbst gebacken wurde. Ob’s Zufall war oder ob wir beim Fotografieren des Cafés als Blogger enttarnt wurden? Sei’s drum. Erneut bestellten wir einen “Cheesecake”, der diesmal wieder kein Cheesecake ist (tut uns leid wenn wir kleinlich sind - aber ein Jahr USA-Aufenthalt hinterlässt Spuren), sondern eher eine Cheese-Tarte aber: selbstgemacht. Ungewöhnlich groß die Portion, unfassbar lecker sowohl die Crème als auch der Mürbeteigboden. Mit 3 Euro ein absolut guter Fang, eine glatte Eins mit Sternchen obendrauf. Kuchen Nummer zwei war der “Louise-Kuchen”, für ebenfalls drei Euro ein solider Rührkuchen mit einer Schokoschicht und Schokoladenglasur. Nichts außergewöhnliches, aber lecker und genau richtig: nicht zu trocken, nicht zu buttrig. Während die heiße Schokolade nur lauwarm war, war am Schwarztee (lose!) nichts auszusetzen und das begleitende Milchkännchen verdient ein extra Lob.

Gibt’s nun eine Empfehlung von Taste Berlin? Ja, doch. Für das Louise Cherie spricht der freundliche und schnelle Service, der Tee sowie die selbst gebackenen Kuchen. Falls eine Torte zu sehr nach Patisserie aussieht, kann man ja auch nochmal nachfragen. Der Pavillon, oder sollen wir eher sagen, Vogelkäfig im hinteren kleinen Raum ist Geschmackssache. Wir haben bisher auch keinen drin sitzen gesehen. Muss man ja aber auch nicht.

http://louisecheriecafe.de

http://www.eileenscheesecake.com

(sw)

…but I like it: 3 Schwestern im Künstlerhaus Bethanien

image

Suchbild mit Hund: Das “3 Schwestern”, während halb Kreuzberg noch schläft.

von Sandra Wickert

Es ware einmal: ein grauer Berliner Novembersonntagmorgen, eine recht gut abgearbeitete To-Do-Liste und Besuch einer Berlin-Abtrünnigen: die perfekte Voraussetzung für ein schönes Frühstück. Kiez der Wahl ist Kreuzberg und da die Gegend rund um die Markthalle Neun irgendwie immer noch recht weiß auf der persönlichen gastronomischen Landkarte ist, wird das 3 Schwestern im Künstlerhaus Bethanien angesteuert. Das Gebäude: geschichtsträchtig. Von Fontane über Ton Steine Scherben - das ehemalige Diakonissen-Krankenhaus hat schon so einiges erlebt.

Das Interieur des 3 Schwestern im ehemaligen Speisesaal überrascht. Irgendwie hatte sich in unseren Köpfen das Stichwort „Rock’n’Roll-Cafe” festgestetzt, doch statt Tiki-Flair erwartet einen eine sehr klassische Einrichtung. Hohe Decken, dunkles Mobiliar, gedeckte Wandfarbe – lediglich der hölzerne Zigarettenautomat im Vorraum sowie die Wandgestaltung hinter der Bar versprühen einen Hauch dezenter Exzentrik. Aber doch: leise singt Elvis aus den Lautsprechern, der aber bald Klezmerklängen weichen muss.

Wir sind zu dritt, glücklicherweise, denn so können wir jeder eins der gleichermaßen gut klingenden Frühstücke auswählen. Christina entscheidet sich für das English Breakfast (8,00 Euro), Micha hat Lust auf Weißwürste (7,00 Euro) und Sandra findet die Beschreibung des Käsefrühstücks (7,00 Euro) mit vier verschiedenen Käsesorten sehr verlockend. Ein Blick auf die Getränkekarte erfreut das Herz des Koffeinjunkies: der Kaffee stammt aus der Friedrichshainer Rösterei Tres Cabezas. Die Getränke kommen schnell, beim bestellten Cappuccino passt alles, doch der grüne wurde mit einem schwarzen Tee verwechselt, der English Breakfast Tea kommt weder mit Milch noch mit Zitrone und beide Tees leider aus dem Beutel: buh. Beim äußerst fairen Preis von 1,60 kann man dann aber doch nicht so richtig meckern.

Die Frühstücke kommen auch innerhalb einer angemessenen Wartezeit. Erster Eindruck: oh, das sind aber sehr übersichtliche Mengen. Die Bestandsaufnahme: Die Weißwürste sind vom Geschmack so, wie sie sein sollen, wenn auch etwas kleiner als üblicherweise die dazugehörige Brezel für Berliner Verhältnisse ein Traum, der Weißkrautsalat (mit Kümmel!) lecker. Das English Breakfast: joa. Ganz gut, aber nicht outstanding. An dieser Stelle sei auf das Hudson’s verwiesen, wo das Full English so ist, wie es sein sollte: reichlich und gleichzeitig mit besten Zutaten sehr ansprechend präsentiert (Note to self: hierüber müssen wir endlich mal bloggen!) Beim Käsefrühstück wurde das mitbestellte Ei zunächst vergessen und statt der vier angekündigten Käsesorten sind nur drei auszumachen. Diese sind aber durch die Bank köstlich, bei der Hüttenkäsemischung schmeckt man Kürbiskernöl heraus. Die feine Kirschmarmelade passt mit ihrer Süße hervorragend zum Bergkkäse. Der Brotkorb ist gut gefüllt mit saftigem dunklen und luftig-leichten Weißbrot.

Recht zufrieden, aber noch nicht komplett satt verlassen wir das 3 Schwestern und nach einem Blick in die Abendkarte hoffen wir, dort auch mal zum Dinner vorbeizuschauen. “Das war nicht Berlin - bis auf das vergessene Ei”, sagt Micha, und wer Micha kennt, weiß dass das durchaus positiv gemeint ist. Dass die Mägen nicht ganz gefüllt sind, ist aber gar nicht so schlimm, denn so bleibt noch Platz für Kaffee und Kuchen, den, wie wir spontan entscheiden, in einer kleinen französischen Patisserie in der Görlitzer Straße einnehmen werden. Doch das ist eine andere Geschichte, die demnächst erzählt wird.

http://3schwestern-berlin.de/

http://www.trescabezas.de/

http://www.hudsonscakes.com/

(sw)

Pause(nbrot & Fisch) - Kreuzberg

Liebe Taste-Berlin Freunde,

wir sind ab Oktober 2012 selbst im Bereich Gastronomie unterwegs und werden erstmal  keine ‘frechen Urteile’ mehr abgeben, das gehört sich einfach nicht. Wir haben uns einen kleinen Traum erfüllt und freuen uns auf die kommenden Monate.

Gastbeiträge sind jederzeit willkommen, und wenn es Neuigkeiten zu berichten gibt erfahrt ihr es tout de suite.

Danke

M.ika

 

It´s on baby!

WineVibes: Guter Wein macht Party! (Mitte)

Wir von Taste Berlin freuen uns sehr und der Straßensommelier schickt
ebenfalls seine besten Empfehlungen:

WineVibes ist am Freitag den 14.9. zu Gast in Berlin.

-> Bei WineVibes, dreht sich alles um guten Wein und dazu passende Musik - kurz gesagt: DJ-Handwerk trifft auf Winzerskunst.

Also endlich mal ein Abend für uns Weinfreunde, an dem getanzt wird inklusive gutem Wein. Es darf nachgeschenkt werden - den ganzen Abend. Und Stullen satt jibbet ooch!

Die Stars and Stripes der Wein- und Winzerszene sind da und wenn Namen wie Billy
Wagner
und Katharina Wechsler fallen, darf man sich auf ein Aufeinandertreffen von Fliege auf Chucks sowie feinstem Tischwein auf edle Auslese freuen. 

Der Katalog der teilnehmenden Winzer und Partner ist eine einzige Ansage!

Klick: Winevibes

Datum: Fr 14.09

Wo: HBC (Mitte)

Start: 18:30 Uhr, ab 23 Uhr wird die Musik spürbar lauter aufgedreht

Preis: 45.- (inklusive aller Weine, Wasser und Stullen bis zum…)

Ein passendes & tolles Menü vonStefan und Matthias Eggert vom HBC Restaurant kann hier dazu gebucht werden.

Wir haben 2x2 Tickets für kreative Köpfe. Schick uns ein Foto von Deinem schönsten Weinmoment und nenne uns den perfekten Song dazu. Per Email an taste-berlin@web.de, Betreff ‘WineVibes’. Wir veröffentlichen die besten Fotos auf unserer Facebook-Seite und losen darunter am Donnerstag um 23:59 Uhr die glücklichen Gewinner aus (und geben dies Freitag um 12:00 Uhr bekannt).

Poisson et légumes: Belon Brasserie (Neukölln)

Bin dann erstmal weg: Das Kind vs. die Chefin vor der Belon Brasserie



Die Verabredung war längst überfällig und somit einigte man sich spontan auf ein Treffen in der Belon Brasserie in Kreuzkölln (eigentlich wollte ich ja einst meine Schwester hierher ausführen um einen satten Erlös zu verprassen - ich habe unlängst ein klappriges Peugeot Rennrad meines Vaters an einen coolen International(*) verkauft, für schlappe 280.- Euro).

Aber nun war ich endlich mit Stefanie verabredet, einer charmanten Wein- und Schnapsdealerin aus dem Burgenland die Kiez und Leute kennt als wäre sie zwischen Tiergarten und Oberbaumbrücke aufgewachsen. Schon nach zwei kurzen Blicken auf das Menüschild spüre ich dass hier alles oder nichts zu holen ist: die kurze und präzise Karte erinnert mich an mein ehemaliges Fischzüchterdasein in Frankreich und die damit verbundenen Gaumenfreuden in Punkto Fisch und Seafood. Schnell wähle ich Steinbutt, Pulpo und Kürbis zu meinen Auserwählten, Stefanie freut sich schon länger auf das zügig georderte Lachstartar. 

Die Weinkarte ist hier im Kiez sicherlich am ambitioniertesten, ich habe fast Lust mich einmal quer durchzutrinken. Ich lasse mich zu einem Uhudler (Südburgenland) überreden und erinner mich gerade wieder an den derben, erdbeerigen, hefigen und originellen Geschmack - mehr davon, ein ausgefallener Rosé der in seiner Heimat geliebt und gehasst wird. Der anschließend gut temperiert gereichte Gfanger St Laurent (Weninger, Burgenland 2009) passt hervorragend zu meinem Fischgericht (ROT zum Fisch, traut Euch!) was nur eines vermissen lässt - den Blick aufs Meer. Hier vergebe ich mal ganz locker die Höchstnote (inklusive freundlichem Service), Pulpo und Steinbutt waren heiss und auf den Punkt gebraten, der Hokkaido hat seine erdige Süsse dazu gespielt (15 Euros). Stefanies Tartar strahlte Fangfrisch und bekräutert in die Abendsonne und wurde ebenfalls zelebriert (8 Euros). Des Weiteren: Rollberg und Augustiner vom Fass. Yes!

Wer also demnächst nach gutem Fisch in Berlin sucht wird endlich in Kreuz(und)Kölln fündig.

A la votre 

M.ika

Belon Brasserie # Schinkestr. 14 # 12047 Berlin # www.belon-brasserie.de

Klick HIER für die Speisekarte.

HIER findest Du die Belon Brasserie - 5 Minuten by bike vom Görli oder Kotti.

HIER findest Du die verschlafenen und faulen Taste-Berliner bei FB (das gilt zumindest für die letzten zwei Monate)

(*)International: Ein International kommt von überall her, lebt nun in Berlin (Friedrichshain, Neukölln oder Kreuzberg) ist modebewusst, hat in England oder Schottland einen Bachelor of Arts gemacht, spricht fließend zwei Sprachen (Englisch + Muttersprache), hat noch nie gearbeitet, hat keine Kohle außer den knappen Tausi von den Eltern, sieht gut aus, trägt Brille und teueren Vintage Kram, ernährt sich von Billigfraß, drinkt sweet wine, bekommt nach einem Jahr in Berlin von den Eltern ein Ultimatum, eröffnet dann entweder ein kleines Café oder macht erstmal drei Praktikas bei Kunstverlägen o.ä., nach erfolgreichen Praktikas blechen die stolzen Eltern dann wieder, to be continued…

Land in Sicht: Hafenküche (Rummelsburg)

Slipplatz für Freizeitkapitäne mit Blick auf Berlins Schärengarten

Wenn man von der Rummelsburger Bucht, Paul-und-Paula Ufer, wenige hundert Meter in Richtung Köpenick am Wasser entlang radelt kommt man, den Schrummelclub Sisyphos hinter sich lassend aus dem Staunen nicht mehr heraus: hier durften sich Architekten ohne Limits austoben und Town-Häuser errichten, Marinas erbauen und einen Stasi-Knast in einen ‘Wohntraum’ verwandeln (hier saß früher zuletzt Honecker ein - jetzt gibts Mutter-und-Kind-Yoga auf der Dachterasse). Zudem findet man noch diverse abgefuckte Grundstücke wie die ehemalige städtische Flussbadeanstalt Lichtenberg auf dessen Gelände die Spreestudios momentan Künstlern Freiräume ermöglichen - die charmante Locationmanagerin Susan hat mich unlängst durch das Areal geführt. Der glückliche Käufer (ein stadtbekannter Künstler) hat hier ein wahres Schnäppchen gemacht.

In dem Wirrwarr von weiter angrenzenden Gebäuden und Grundstücken mit Garagen, einer kleinen Schiffswerft in der ein fliegender Holländer Floße und Boote flickt und baut, einer fetten Boulderhalle und dem mächtigen Heizkraftwerk Klingenberg liegt direkt am breiten Spreeufer die Hafenküche - eine unlängst neu errichtete öffentliche Kantine vs. Restaurant + Bar / Biergarten. Das Interieur mit Industrie-Beton-Optik und das schwedische Mobiliar wollen nicht so ganz zu dem Wort Lichtenberg passen, hier wurde eine dicke Summe investiert, die angrenzende City Marina Rummelsburg macht es möglich.

Mein bestellter Mittagsteller, SchniPoSa mit Cola war üppig und günstig - insgesamt 6,80 Euro wurden bezahlt. Es hätte auch gerne etwas mehr sein können im Tausch für ein frischgeklopftes Fleischchen, aber Frosterware - das passt wieder zu Lichtenberg (Klischee). Fritten: top! Die Abendkarte verspricht Großes und Gutes - der Champagner & Winzersekt im Weinkühlschrank auch. Der an W. Joop! erinnernde Kellner war flott und freundlich, auch Susan (s.o) habe ich wieder am Nachbartisch getroffen.

Fazit I: Ich will auch ein Boot haben!

Fazit II: Bester Hafenblick der Stadt!

Ahoi

M.ika

Hafenküche # Zur Alten Flussbadeanstalt 5 # An Der Rummelburger Bucht # 10317 Berlin-Lichtenberg # www.hafenkueche.de

facial: www.facebook.com/TasteBerlin

Am Fenster…

¡Ándale! Dirty South, No hablo español, Ta’Cabrón (Friedrichshain-Kreuzberg)

Die Frage stellt sich sicherlich schon seit einiger Zeit und sehnsüchtig wird über den großen Teich geschaut: Was kommt nach der großen Sushi-, Steinofenpizza- und Burgerwelle in Berlin - welches handmade fastfood wird uns demnächst in zahlreichen, emporsprießenden Büdchen und Imbissen den Hunger stillen und den Magen füllen?

Der Weg führt in den südlichen Teil Nordamerikas - und endlich werden meine kühnsten Taco Bell Fantasien (meist) nachhaltig und individuell belohnt!

Hell Yeah! Whiskey in the jar.

Das Dirty South in der Krossener Straße schimpft sich Bar vs. Restaurant (das saloonige Interieur ist aufwendig und hebt sich von den umliegenden Flohmarktcafés und Sishatempeln ab) und bietet im authentischen Plaste-Körbchen Burritos, Quesadillas, Nachos und Tacos an. Mein Burrito war extrem gut, etwas klein und frech ausgepreist - 7 Euro sind zu investieren. Die Macher vom gegenüberliegenden Cupcake haben sich hiermit sicherlich einen Traum erfüllt (und eine private Altersvorsorge). Es ist ein “Friends-Laden”, viele Freunde und Freundesfreunde der charmanten Bedienung hängen am Tresen ab, wenn man also bestellen, Nachschlag, mehr Stoff oder bezahlen möchte muss man brüllen, betteln oder laut auf den Tisch hauen. Was neben den Cocktail-Klassikern und Maisbier fehlt: eine fette Bourbon-Karte, ich will auch ein “friend” werden und mich am Tresen volllaufen lassen!

Tijeras, piedra o papel?

Immer Mittwochs kann man in der Kopernikusstraße im No hablo español Schere Stein Papier spielen - wer gewinnt zahlt die Hälfte, wer verliert den regulären Preis. Das junge, meist freundlich-gelangweilte und manchmal überarbeitete Betreiberpärchen hat sich ebenfalls Mühe mit dem Innenausbau gegeben, zudem gibt es nur eine Handvoll Sitzgelegenheiten drinnen und draußen (-> Imbiss ≙ keine Toilette). Hier ist man mit ab 3,50 Euro für einen (basic) Burrito dabei, außerdem gibt es Tacos, Quesadillas sowie Suppen und Salate. Die Portionen sind groß genug - jedoch sollte man viel Zeit mitbringen, es dauert ewig und drei Tage wenn man in die Warteschlange gerät. Mein Burrito war ganz ok, zudem kann man zwischen sehr vielen (auch fleischlosen) Variationen wählen was ebenfalls Vegetarier (und Veganer) anspricht.

Más rápido, más alto, más fuerte!

Ganze vier Anläufe hat es gebraucht bis ich im Ta’Cabrón in der Skalitzer Straße einen Platz bekommen habe - es ist meistens berstend voll obwohl es drinnen und draussen relativ viele Sitzgelegenheiten gibt. Jetzt weiß ich auch warum: meine Quesadillas waren so gut daß ich nur wenn ich wie jetzt beim Schreiben wieder daran denke Hunger bekomme (Schulnote “eins”!) . Auch hier bezahlt man für die Hauptspeisen wie Tacos, Quesadillas oder Burritos zwischen 4 und 6 Euro - die Karte ist aber etwas üppiger ausgestattet als bei den Kollegen - und selbst die Tortilla wird frisch gemacht (!). Ganze vier Angestelle haben bei meinem Besuch für ein schnelles und exquisites Erlebnis und Ergebnis gesorgt. Beim Abrechnen wurde wie so oft die “Kreuzberger Kurtaxe” erhoben und einfach mal aus Versehen 3 Euro dazugerechnet, bei meinem spitzbübischen Hinweis gabs sofort das Geld zurück…trotzdem: Schafft den Casio-Taschenrechner ab und leistet Euch eine Kassensystem - in der bald riesengroßen Filiale in der Wühlisch Ecke Gryphius die ab Juli 2012 öffnen soll (und für die noch spanisch sprechendes Personal gesucht wird) funktioniert die Klingelbeutel-Variante nicht mehr.

Don´t call it Tex-Mex!

M.ika

Dirty South # Krossener Straße 18 # 10245 Fhain # vermutlich meist ab 17:00

No hablo español # Kopernikusstraße 22 # 10245 Fhain # so ab gegen ca. 12:00

Ta’Cabrón # Skalitzer Straße 60 # 10997 XBerg # ab kurz nach ungefähr 13:00