Bonvivant: Die Spindel (Berlin-Friedrichshagen)

Und es ist trotzdem Rock’n’Roll - die Spindel in der legendären Bölschestraße.



Wenn ich aus Frankreich zurück komme lade ich dreimal ein - freie Wahl für meene Schwelle, meene Beste und mich. Das war die Ansage letztes Jahr. Nach den ersten beiden geilen Touren -> Hartmanns -> Grill Royal war nun ich an der Reihe, habe die Spindel ausgewählt und sollte nicht enttäuscht werden.

Nur eine Viertelstunde vom Ostkreuz aus mit der S-Bahn erreicht man das kleine, mondäne und sich absolut vom Umland abhebende Friedrichshagen. Direkt am Müggelsee gelegen ist es ein Ausflugsziel für Kenner, die keinen Bock auf den Wannsee und busreisende Rentner haben. Die gibt es hier sicherlich auch, aber die werden per Schiff von Treptow aus hergefahren und meist nicht von Bord gelassen. Gut so.

Vom S-Bahnhof aus kann man in ca. 20 Minuten direkt zum See laufen, flanieren muss ich wohl eher sagen, denn die Bölschestraße die man passiert ist schön, schöner am schönsten. Es gibt kleine Läden, Cafés, Ateliers in prächtig restaurierten Häusern. Zudem habe ich hier früher studiert, in einem Forschungsinstitut direkt am Seeufer - für mich als alter Bodenseepirat und Schwarzangler war das ein Jackpot.

Ebenfalls in der Bölschestraße findet man das von den Betreibern Janet & Hendrik Canis geführte Gasthaus (& Genusshandlung) Die Spindel. Alleine die Speisekarte auf der Webseite reicht aus, um sich einzugestehen dass dort wohl nahe am Sternebereich allerbestens aufgekocht wird. Den passenden Wein gibt es direkt mit Empfehlung vom Chef, was offen ist wird auch angeboten. Toll - das wird gleich mal an ‘Berlins Straßensommelier’ weitergereicht, hier sollte man auch mal länger im Keller stöbern.

Meine Begleitung und ich haben beide das Abendmenü gewählt, einmal vier und einmal drei Gänge für jeweils 43 und 33 Euro. Mit Saiblingstartar gings los, an Salat mit Forelleneiern. Davor gab es schon Brot und Olivenöl zum Wasser, gefolgt vom Gruß aus der Küche - eine kleine Bouillabaisse mit Kabeljau. Zweiter Gang Glattbutt und Pulpo an Auberginentartar und Caponata. Drittens: Brust und Keule von der Landente mit Leberknödeln. Finale: Dreierlei vom Rhabarber (Sorbet, Grütze und leicht kandiert). Dazu jeweils zunächst passenden Weißwein (Muskateller + Silvaner). Zum Hauptgang habe ich endlich mal Hummels Portugieser 2009 probiert, purer Spaß im Glas - ein easy peasy lecker Tropfen.

Summit: Ja und Yes - gottverdammt ich habe viel erwartet aber so viel dann doch nicht. Zudem waren wir abgefroren und saßen dann noch am schönen Kamin. Ich kann nur sagen wenn Ihr, liebe Leser, Euch mal was rauslassen wollt, feiern, DEN schönen Abend haben möchtet, Spitzengastronomie… ok ich höre auf. Erwähnen muss ich aber noch, dass der Service charmant und liebevoll ist, auch wenn man etwas abgef***t da einmarschiert.

Was gesagt werden muss:

“Jetzt war ich mal wieder der Bonvivant

da in der Spindel

Berlin hat mehr zu bieten

als Eisbein, Klops und Kindl”


M.ika

Die Spindel # Bölschestraße 51 # 12587 Berlin # http://spindel-berlin.de