Satt: Louis (Neukölln)

‘Dorf-im-Stadt-Prinzip’: Das Louis am leiwanden Richardplatz in Neukölln


Ganz zufällig wurde ich unlängst in das Restaurant Louis geführt. Das passiert mir selten dass ich einen Restaurant-Besuch nicht plane. Ich bin da eher ein Planer und will ihn meist auch haben. Schon sitzen wir am Tisch, aus den Boxen dudelt das Spätwerk von Modern Talking und am Nebentisch sitzt ein kleiner Mann vor einem handtuchgroßen Schnitzel.

Ich suche verzweifelt nach Tolle-Frisur, Vollbart, Leggins und Avantgarde-Punks. Wir sind doch in Neukölln, dem “Szene-Bezirk” Berlins?! Und die 90er kommen doch gerade wieder, wenn nicht hier wo denn sonst? Wenn nicht jetzt wann dann?

In der Tat ist hier ALLES wie in den frühen 90ern: Ein großes Lokal, Eichenmobiliar, Wappen, hässliche Fliesen, die schwere Speisekarte in üblem Kunstleder und Klarsichtfolie, die Musik, die Seife auf der Toilette, die Vorhänge und Plastikstühle mit Kissen im Außenbereich. Fast ein Museum. Könnte / Sollte beklemmend sein, ist es aber komischerweise nicht. Und die Folkster-Deppen fehlen zum Glück! Geil. Selten geworden in Neukölln.

Bestellt wurde ein ‘großes Schnitzel Wiener Art’ - eine Portion für drei Personen. Um es kurz zu machen: wir haben es gerade so geschafft. Außerdem war es absolut gut, saftig und würzig panadiert. Das Bier vom Fass schmeckte sowieso (3,80 pro Halbe = Österreichs bestes Bier), der Marillenbrand danach auch. Es ist das absolute Gegenteil zum Austria-Mutzenbacher, es könnte der nette Opa davon sein und Mutzi ist die kleine, coole und versaute Enkelin (lolitamäßig).

14,80 Euro haben wir in das Fleisch investiert - geteilt durch drei (und inklusive lätschigen Alibi-Bratkartoffeln). Der Service - Kult. Ich habe den Abend aufgesaugt und kann es gar nicht weiter beschreiben. Ich glaube auch daß es viele schrecklich finden, und genau das ist gut so. Dann bleibt es weiterhin so wie es ist. Wenn die SUV-Gentrifizierungswelle bald gänzlich im Richardkiez ankommt wird sicherlich ein Weg gefunden den Laden irgendwie abzuschießen - würde sich für eine Bio-Fair-Kita o.ä. eignen. Und Louis ist ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste.

Der Mann am Nebentisch hat übrigens (alleine) brav aufgegessen und lachend meine erstaunte Nachfrage kommentiert: ‘Ich habe ebend heute nur gefrühstückt’.

M.ika (passend die Global Kryner hörend - Monsta)

Louis # Richardplatz 5 # 12055 Berlin (Neukölln)

Rainers (große) Hände vs. Louis (sehr großes) Schnitzel. Das erste, einzige und letzte Restaurant-Food-Bild von Taste-Berlin. Voll kross.